Cooles Plätzchen gesucht?

Zu heiß? Keine Lust auf Schwimmbad?

https://youtu.be/ZQQ8-pwzJYU

Dann ist die Austellung „Magic City“ genau das Richtige! Die kleine Olympiahalle ist super temperiert und damit kann man sich nicht nur coole Bilder ansehen, sonder auch noch eine kurze Abkühlung von den hochsommerlichen Temperaturen genießen!

https://www.olympiapark.de/de/der-olympiapark/mediacenter/videoclips/magic-city-in-der-kleinen-olympiahalle/#v2484

Symmetrie ist auch langweilig.

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Ein Ausflug ist eine feine Sache, man macht sich einen Plan und überlegt sich was man denn gerne machen will und dann kann man sich, am Zielort angekommen, einfach für etwas ganz andres entscheiden und sich selbst überraschen.

Das geht nur bei Ausflügen, sonst ist das ehr schwierig. Die größte Freude ist allerdings am Ende zu vergleichen, was man machen wollte und was man gemacht hat. Natürlich gehen solche Ausflüge nur alleine, denn sonst gibts es nur Schwierigkeiten mit den Personen die mitkommen – verständlich, denn man stellt sich ja auf Dinge ein, und so.

Nun ich habe gerade einen grandiosen Ausflug in die Geschichte der BRD hinter mir.
Eigentlich wollte ich nur mal drei Tage an was andres als die Arbeit denken und ins Musikinstrumentenmuseum in Berlin fahren – soweit der Plan.

Tag 1.

Nach einer überraschend erholsamen Nachtfahrt um 10:00 Uhr in Berlin angekommen, bin ich statt in Stadtmitte umzusteigen einfach mal nach oben gegangen, um mir ein Frühstück zu besorgen und damit änderte sich schlagartig der ganze Plan. Denn dort angekommen fand ich heraus, dass mein Hostel direkt von dort zu Fuß zu erreichen ist und das ich mir doch eigentlich auch im Urlaub die Irrwege-Umwege-Daueraustellung im Deutschen Dom, zur Entstehung der parlamentarischen Demokratie ansehen könnte – nur ganz kurz, nur weil ich eh grad da bin. Gesagt, getan! 

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Vier Stockwerke vollgepackt mit allem was man zum Thema Deutschland und die Demokratie im Überblick wissen muss. Besonders toll ist die Dachkuppel mit den Architekturentwürfen, und als ich mich so von Vitrine zu Vitrine bewegte, kam mir dann in den Sinn, dass ich noch nie nicht an der Eastside Gallery war, also war das der nächste Anlaufpunkt, nachdem mein Wissensdurst nun endgültig geweckt war. Auf, auf ! Den Mauerweg habe ich mir dann selber gesucht und bin freudig von der Französischen Straße, über das Nikolai-Viertel, am Spreeufer entlang,

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zur Köpenicker Straße, über den Engesldamm zur Eastside-Gallery. Toll, fand ich die Kirschblütenbäume hinter der Mauer am Ufer, da ich mit Kirschblütenbäumen irgendwie so gar nicht gerechnet habe. Dann fing es an zu regnen, also schnell zurück getrappelt, insgesamt also 2 Stunden unterwegs – ahhber endlich habe ich verstanden warum die Straßen in Berlin, anscheinend einfach mal irgendwo anfangen und dann an einem andren Punkt wieder aufhören. Diesmal hat es mich gar nicht mehr gestört und irgendwie wäre es ja mit gewöhnlichen Straßen, die auf beiden Seiten gleich heißen, auch langweilig …

Am Hostel angekommen, noch das Schild „Jüdisches Museum, 700 m“ entdeckt und beschloßen, das passt zum Thementag, also schnell Sachen ins Zimmer und los ins Jüdische Museum von allen Museen die ich mir in Berlin angesehen habe, ist das das Museum das am beeindruckensten geplant wurde. Soviel Liebe zum Detail, aber mit so einer unglaublichen Besucherführung durch die jüdische Geschichte – auch das einzige Museum, in dem ich so beschäftigt war, das ich gar keine Zeit hatte Bilder zu machen und auch das fiel mir erst beim Ausgang auf. Also, ein unglaublich interessantes Haus.
Dann war der erste Thementag auch schon vorüber und ich hab mir ganz fest versprochen, dass ich morgen nur private Sachen ansehen werde. Soweit so gut. Im Hostel gab es dann noch nebenan eine Party, zu der zu später Stunde noch einige Personen anreisten, und extrem gute Stimmung verbreiteten, aber ich habe ja frei, also keinen Grund dringend schlafen zu wollen. Die Urlaubsstimmung wurde dadurch noch abgerundet, auch ohne an der Party teilzunehmen.

Es fehlte eigentlich nur eine Bolognese durch das Hostel 😉

Tag 2.

Wie gesagt, bloß nix mit Politik! Also auf zum Spionagemuseum! Zu Fuß ca. 15 Minuten von mir entfernt, Tasche gepackt und los! Kaffee gekauft, Sonnenbrille auf, auf die Friedrichstraße, am Checkpoint Charlie vorbei, aber bloß nicht gucken, weil heute nix was mit Politik zu tun hat, am Platz des Arbeiteraufstandes, 17.06.1953 vorbei – soweit möglich ignorieren. Was ist denn das für Musik da? Hmm, kleine Kellerfenster, aber hier is keine Bar, links gucken, rechts gucken, nach oben gucken, nach unten hab ich schon …

Oh, das Museum für Kommunikation und die haben ne Austelllung zur Werbung!

Kommt auf die Liste für später, weil jetzt zuerst das Spionagemuseum. Ah, endlich der Potsdamer Platz! Geld abheben und auf ins Museum! Alles sehr grün dort, irgendwie erwarte ich James Bond und versteckte Manschettenknöpfe, schöne Autos, also nix echtes irgendwie… aber beim Karten kaufen dämmert mir langsam etwas. Ticket einscannen, durch die Doppeltür gehen – als ich den ersten Raum betrete kommt erstmal was zur Geschichte der Spionage in unterschiedlichen Ländern und Jahrhunderten. Auf in den zweiten Stock, ohhkay jetzt muss ich definitiv zugeben, es wird politisch. Der Raum wird in die Entwicklung der Spionage nach dem 2. Weltkrieg in Ost- und Westdeutschland aufgeteilt. Rechts und Links erzählen also die Geschichten zweier Nationen und lassen sie am Ende wieder zusammenlaufen.

Interessant finde ich die Beiträge von Helmut Müller Ensberg, einem ehemaligen Mitarbeiter von Joachim Gauck bei der Überprüfung der Stasi-Unterlagen. Ich mag wie er spricht und wie er argumentiert.

Interessant finde ich die Barschel-Affäre, dazu weiß ich noch nicht viel. Super ist auch eine interaktive Karte zu allen Sicherheitsbehörden, Standorten, dem Mauerverlauf und noch mehr Daten zu Spionage und Überwachung in Berlin, mit einer interaktiven Karte. Der unpolitische Sonntag ist damit abgesagt. Gut, drei Stunden später bin ich dann fertig und auf dem Weg ins Kommunikationsmuseum, knapp 10 Minuten vom Potsdamer Platz entfernt.
Im Kommunikationsmuseum gab es eine Ausstellung zum Thema Werbekampagnen der letzten 50 Jahre, interessanterweise wieder in West- und Ostdeutschland aufgeteilt. Langsam bin ich mir nicht mehr sicher, ob diese Teilung nicht irgendwie dann doch mal aufhören sollte – eigentlich.

Andererseits ist es doch interessant zu sehen, wie Werbung im Sozialismus funktioniert hat, die Werbespots waren mehr als putzig anzusehen. Es gab 3 Stockwerke mit Ausstellungsstücken und den Eingangsbereich, plus Schatzkammer, vom Poststempel bis zum Dosentelefon alles enthalten. Die DHL-Pakstation fand ich dann etwas übertrieben.

Weiter zum Musikinstrumentemuseum, dem eigentlichen Grund meines Ausfluges. Ich hatte davon in einem Artikel gelesen und dacht mir, das wäre sicher ne gemütliche Idee, ca. 30 zu Fuß zurückgelegte Kilometer, plus ca. 570 Kilometer per Bus später , finde ich das immernoch. Das Museum liegt hinter dem Potsdamer Platz, also in meiner Nähe.

Im dritten Museum für heute angekommen, finde ich neben der Sonderausstellung „Good Vibrations“ Musikinstrumente vom 16 Jhd. bis zur Neuzeit mit einem Audioguide auf dem viele Instrumente mit Beispielstücken gespielt werden, ohne Text. Eine ganz andre Welt, eine Beschauliche, genau das richtig um etwas Luft zu holen. Dort dann auch bemerkt, ach Essen, das wäre ne richtig gute Sache.

Also auf zur Samariterstraße und nach Nahrung jagen! Klappte auch prima, ein Cocktail und eine Riesenportion indisches Allerelei später, geht die Entdeckungstour zu Fuß weiter. Beim Streunen entdecke ich noch einen Flohmarkt, eine Kletterhalle mit Bar alles zusammen auf einem Gelände, sieht alles recht nett aus aber der Flohmarkt wird gerade abgebaut und ob der Club auf dem Gelände schon offen hat probier ich jetzt nicht aus. Also weiter, vielleicht ne Stadttour mit Straßenbahn? Hmm, nee. Satt, müde, aber noch neugierig … hmm ausgehen, nee, nichts mit noch mehr Eindrücken sonst explodiert mein Kopf. Ah da gabs doch noch dieses Haus, am Tiergarten, gut dahin gefahren, 19:00 Uhr um 20:00 Uhr schließt es. Kein Einlass mehr, nun gut dann Kino, ja etwas einfaches nettes, zum Sitzen, wo man nicht sprechen muss… Kino! Gut dann auf zurück zum Potsdamer Platz ins Cinemaxx und einen Film ausgesucht. „Gold – Gier bekommt eine neue Farbe“ sollts dann sein. War auch ne gute Entscheidung, sehr unterhaltsam! Dann nach Hause.

Letzter Tag.

Aufstehen, pünktlich auschecken, alle Elektrogeräte laden und auf die Socken machen zum letzten Teil der Odysee, Checkpoint-Charlie, Austellung zum kalten Krieg, alle andren Themen waren ja schon ausführlich besprochen. Zum Glück bin ich so früh aufgestanden und hatte damit die Austellung am Anfang fast alleine, was sehr gut war. Am Ende wurde es dann doch wieder recht voll, aber da war ich ja schon fertig, also wer dahin möchte – früh hingehen, es öffnet um 09:00 Uhr, da ist es noch recht leer ab 11:00 wird’s anstrengend, wenn man wirklich was dort lesen möchte, nur durchlaufen geht natürlich um 13:00 Uhr auch 😉 Schlimm waren die jovialen Männer, die versuchten an den Schauwände politische Aufklärung zu betreiben, noch schlimmer die Frauen die daneben standen nicht zuhörten und nickten. Ich hoffe ich komme nie in eine solche unangenehme Situation.

Jetzt sitze ich im Bus, wir haben einen Stau umfahren, ich habe noch ca. 3 Stunden Fahrt vor mir, aber ich bin unglaublich zufrieden, das ich meinen Entspannungsurlaub in eine Bildungstrip umgebucht habe. Kann ich nur empfehlen! Wäre sicher auch mit dem Sprachkurs ne lustige Sache, wenn die nach Berlin dürften… Oh nein, der Realismus setzt wieder ein … Ich schau mir noch ein paar Fotos vom Ausflug an …